Stolpersteine in Berlin und Unsere Kiezinitiative

Stolpersteine gibt es in Berlin seit 1996. Insgesamt wurden in Berlin bereits 8.145 Stolpersteine (Stand: Juli 2018) verlegt. Diese verteilen sich auf 75 von 96 Berliner Ortsteilen. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf liegen 3245 Stolpersteine (Stand: 04. 09. 2018). Eine Stolpersteine-Initiative kümmert sich in Charlottenburg-Wilmersdorf um dieses Gedenkprojekt, das vom Bezirksamt und vom Senat unterstützt wird.

Die Kiezinitiative „Stolpersteine im Mierendorff-Kiez“ wurde 2013 von Marlo Blondiau und Michael Halfmann gegründet und versteht sich als „Anlaufstelle“ für Interessierte und Engagierte. Wir planen Rundgänge, Reinigungsaktionen für die Stolpersteine „Unserer vergessenen Nachbar*innen“ und unterstützen die Recherche und Verlegung für weitere Steine.
Zur Zeit gedenken wir hier an sechs Orten der siebzehn ermordeten Menschen. Voraussichtlich 2020 findet die nächste Verlegung von vier Stolpersteinen in der Tauroggener Straße 43, 44 und 48 statt: Für Margarethe Scherbarth (geb. Simonsohn), das Ehepaar Karl Sitzmann und Rosa Sitzmann (geb. Goldbach) und für Minna Schück (geb. Grünberg).

Die Geschichte der Stolpersteine

„Wenn der Name vergessen ist, ist auch der Mensch vergessen.“ (aus dem Talmud)

Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, geboren am 27. Oktober 1947 in Berlin, das im Jahr 1992 anfing. In Berlin führte er 1996 auf den Fußwegen der Oranienstraße und der Dresdener Straße eine Kunstaktion fort, die er in Köln zuvor begonnen hatte. Er paßte, damals noch illegal, 51 Stolpersteine direkt ins Straßenpflaster ein. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an die Menschen erinnert werden, die in der Nazi- Zeit verfolgt, vertrieben, verschleppt, gefoltert, ermordet oder in den Suizid getrieben wurden. Die Betonquader mit einer Kantenlänge von 10 cm, werden in den Gehweg vor dem meistens letzten frei gewählten Wohnort der Verfolgten eingelassen. Auf einer Messingplatte an der Oberseite sind der Name mit von Hand eingeschlagenen Lettern beschriftet und erinnern an das Schicksal des einzelnen Menschen.

Was 1992 für die Ermordeten der Shoah beginnt, werden heute auch Stolpersteine für Sinti und Roma, aktive Menschen aus dem politischen oder religiös motivierten Widerstand, Zeug*innen Jehovas, „Swing-Jugendliche“ (auch „Swing-Kids“genannt), Zwangsarbeiter*innen, Homosexuelle, Opfer der „Euthanasie“-Morde und für Menschen, die als verächtlich „Asoziale“ verfolgt wurden, verlegt. Die Steine geben den Menschen ihre Namen zurück. Sie helfen so den Zivilisationsbruch im deutschen Namen auf eine Art sichtbarer zu machen. Zugleich zeigen die Steine, daß Ausgrenzung, Entrechtung, Verfolgung und Verhaftung mitten in der Stadt unter den Augen der Nachbar*innen stattfanden. Die Kunstaktion widerspricht damit auch gängigen Entschuldigungen, man habe nichts von alledem wissen können.Im Oktober 2018 hat Gunter Demnig in Frankfurt am Main den 70.000sten Stein verlegt. (Stand Mai 2019: europaweit über 72.000) Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Stolpersteine wurden nicht nur in Deutschland, sondern auch in 23 weiteren europäischen Ländern verlegt. Die Marke Stolpersteine ist seit 2006 beim Deutschen Patent- und Markenamt durch Gunter Demnig geschützt, seit 2013 auf europäischer Ebene. Für zur Zeit 120 Euro kann jeder Mensch eine Patenschaft für die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen.

Seine Idee beschreibt Gunter Demnig mit den Worten:

Auf dem Stolperstein bekommt das Opfer seinen Namen wieder, jedes Opfer erhält seinen eigenen Stein – die Identität und das Schicksal sind, soweit bekannt, ablesbar. Durch den Gedenkstein vor dem Haus wird die Erinnerung an diesen Menschen in unseren Alltag geholt. Jeder persönliche Stein symbolisiert auch die Gesamtheit der Opfer, denn alle eigentlich nötigen Steine kann man nicht verlegen.

 

Verlegung der Stolpersteine in der Kamminerstr. 2   Foto: Holger Walkling

17 Stolpersteine, die mittlerweile an fünf Orten auf der Mierendorff-INSEL verlegt wurden, erinnern gut sichtbar an ehemalige Einwohner*innen und Nachbar*innen, die zwischen 1933 und 1945 von den Nazis entrechtet, verfolgt und ermordet wurden.
Das Bild zeigt die Verlegung der Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnort von Hanna Lewin, Ilse Senta Goldschmidt und Leonhard Levy in der Kamminer Straße 2. Die Stolpersteine wurden am 11.6. 2015 in Anwesenheit zahlreicher Hausbewohner*innen, Nachbar*innen, des Teams vom Hauses am Mierendorffplatz sowie von Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern des Gottfried-Keller-Gymnasiums verlegt.